Kinderkrankheiten sind kein Kinderspiel
Der Name erweckt den Eindruck, dass es sich hierbei um eher harmlose Krankheiten handelt. Kinderkrankheiten müssen aber als gefährliche Infektionskrankheiten gewertet werden, da sie in jedem Lebensalter auftreten können. Die Häufigkeit der Erkrankung im Kindesalter liegt am noch nicht ausgereiften Immunsystem, das in seiner Entwicklungszeit viel empfänglicher für Infektionen ist.
Die moderne Medizin profitiert mittlerweile von einer Vielzahl an Impfstoffen, sodass einige Krankheiten in Deutschland nur noch selten vorkommen. Eine positive Begleiterscheinung: Die meisten Kinderkrankheiten führen nach einmaliger Erkrankung zu lebenslanger Immunität.
Was Sie über Kinderkrankheiten wissen sollten.
Ansteckung
Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung bis hin zum Ausbruch der ersten Krankheitssymptome ist die so genannte Inkubationszeit.
Das Prekäre daran: Bereits in diesem Zeitraum, also noch bevor man die Erkrankung erkennt, besteht eine hohe Ansteckungsgefahr. Das heißt,
ein Kind, das noch keine Krankheitssymptome zeigt, aber schon durch den Erreger infiziert wurde, kann auch andere Kinder anstecken.
Arztbesuch
Bei Verdacht auf eine ansteckende Kinderkrankheit ist es unbedingt ratsam, mit dem Kind einen Arzt aufzusuchen. Um die Gefahr zu umgehen, dass sich im Wartezimmer eventuell auch andere Kinder anstecken, sollten Sie die Arztpraxis bereits vor dem Arztbesuch von Ihrer Vermutung in Kenntnis setzen.
Infektionen und Infektionsarten
Der lateinische Wortstamm [inficere, infectum = hineintun] bedeutet Ansteckung bzw. das Eindringen von lebenden Krankheitserregern. Hierbei handelt es sich um Mikroorganismen wie z. B. Bakterien. Drei Arten von Infektionen sind für Kinderkrankheiten relevant:
Kontaktinfektion – die Erreger werden durch Berührung direkt und unmittelbar von einem Menschen zum anderen übertragen.
Tröpfcheninfektion – auch beim Niesen, Husten oder Sprechen können ausgeatmete oder ausgehustete Erreger direkt und unmittelbar von einer Person auf die andere übertragen werden.
Schmierinfektion – es kommt zur direkten, unmittelbaren Übertragung der Krankheitserreger von einem Menschen zum anderen durch Kontakt mit infektiösem Material.
Impfungen
Bezüglich aller zur Verfügung stehenden Impfmöglichkeiten fragen Sie bitte Ihren Kinderarzt.
Die aktuellsten Impfempfehlungen der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) finden Sie auf dem > Internetauftritt des Robert-Koch-Instituts
Die häufigsten Kinderkrankheiten:
Masern
Diese Virusinfektion ist keineswegs so harmlos, wie sie häufig eingeschätzt wird. Nicht selten kommt es zu Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Masernkrupp und sogar Lungenentzündung. Besonders gefährlich ist die Masern-Enzephalitis (Hirnentzündung), gegen die es nach wie vor kein wirksames Medikament gibt. Die möglichen, sehr gefürchteten Folgen reichen von Persönlichkeitsveränderungen über Lernschwierigkeiten bis hin zu bleibenden geistigen Behinderungen und Epilepsien; in einem nicht unerheblichen Prozentsatz ist die Masern-Enzephalitis tödlich.
Infektion
Masern, oder auch Morbilli, sind äußerst ansteckend. Das Morbilli-Virus kommt weltweit vor und wird über die Luft, auch über weite Strecken übertragen. Man nennt das eine fliegende Infektion. Es ist eine hoch ansteckende Erkrankung, die typisch für das Kindergartenalter ist. In Kindergärten sind oft nahezu alle ungeimpften Kinder betroffen, wenn die Krankheit dort einmal ausbricht.
Röteln verlaufen bei Kindern im Allgemeinen harmlos. Jedoch sehr gefürchtet ist eine Röteln-Infektion der Mutter während der Schwangerschaft. Sie kann beim Ungeborenen zu Blindheit und Taubheit, zu Herzfehlern und geistigen Behinderungen und sogar zum Tod führen. Schon um das Ansteckungsrisiko für schwangere, nicht immune Frauen zu verringern, sollten Kinder generell gegen Röteln geimpft werden.
Infektion
Röteln werden vom Rubeola-Virus verursacht und meist durch Tröpfcheninfektion übertragen.
Mumps/Ziegenpeter
Mumps oder Ziegenpeter, wie die Kinderkrankheit im Volksmund auch genannt wird, ist keineswegs harmlos. Sie kann zur Hirnhautentzündung führen und damit bleibende Störungen des Gehörs nach sich ziehen. Etwa fünf Prozent der Taubheitsfälle bei Kindern haben Mumps zur Ursache. Bei jungendlichen und erwachsenen Männern kann Mumps zu einer Hoden-Entzündung und damit sogar zum Verlust der Fruchtbarkeit führen. Häufig geht Mumps auch mit einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) einher.
Infektion
Mumps ist eine hochinfektiöse Erkrankung. Sie wird durch das Paramyxovirus ausgelöst, das ausschließlich bei Menschen vorkommt. Der Krankheitserreger wird durch Tröpfcheninfektion übertragen.
Kaum eine andere Kinderkrankheit ist so ansteckend wie Windpocken. In der Regel sind Windpocken nicht problematisch. In manchen Fällen treten jedoch Komplikationen auf. So können z. B. das Nervensystem und das Gehirn betroffen sein. Auch bakterielle Superinfektionen der Haut sind möglich, ferner selten postinfektiöse Nieren- und Herzmuskelentzündungen; gelegentlich kann auch die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) vermindert sein. Eine besondere Gefahr sind Windpocken dann, wenn das Immunsystem eines Kindes bereits geschwächt ist. Aus diesem Grund werden Windpockenfälle in Kliniken sicherheitshalber stark isoliert.
Infektion
Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus übertragen. Sie kommen weltweit vor und sind hoch ansteckend. Windpocken, oder Varizellen, werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Auch nach überstandener Krankheit verbleiben die Viren als so genannte „stumme Viren“ im Körper. Ein erneutes Aufflammen der Infektion im Erwachsenenalter kann zu einer Gürtelrose führen.
Keuchhusten
Keuchhusten ist eine schwere Infektionskrankheit der Atemwege, die vor allem für Babys lebensbedrohlich sein kann. Früher zählte sie zu den häufigeren Todesursachen im Kindesalter, sehr selten endet sie auch heute noch tödlich. In der Regel ist die Prognose gut. Säuglinge sollten in der Klinik betreut werden.
Infektion
Verursacher von Keuchhusten sind Bakterien der Gattung Bordetella pertussis. Die Bakterien werden über die Luft übertragen (Tröpfcheninfektion) und gelangen so auf die Schleimhäute des Rachens und der Bronchien.
Scharlach ist eine ansteckende bakterielle Erkrankung, die meist im Kindesalter auftritt, aber auch Erwachsene infizieren kann. Sie wird durch eine Infektion mit Streptokokken-Bakterien hervorgerufen, die ein Toxin produzieren. Durch dieses Gift kommt es zur Bildung von Antikörpern. Lebensbedrohliche Verläufe sind zwar selten, können aber vorkommen. Das von den Bakterien produzierte Gift kann dann zu Schläfrigkeit, Fieber über 40°C, Krämpfen, Kreislaufkollaps und sogar zum Tod führen.(Seltene Sonderform des toxischen Scharlachs) Selbst bei einem schwächeren Krankheitsverlauf können – wie bei allen Erkrankungen, die durch Streptokokken-Bakterien verursacht werden – auch noch Wochen danach Komplikationen eintreten. Zu ihnen gehören Nierenentzündungen oder rheumatisches Fieber. Seit es Penizillin gibt, hat diese Kinderkrankheit vieles von ihrer Gefährlichkeit verloren.
Infektion
Erfolgt durch Tröpfcheninfektion.
Das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) ist eine Virusinfektion. Ausgelöst wird sie durch das Epstein-Barr-Virus (EBV). Bedingt durch die Infektionsart wird sie im Volksmund auch als „Kusskrankheit“ bezeichnet. Am häufigsten betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene. Aber auch Kindergartenkinder und Grundschulkinder stecken sich häufiger damit an.
Infektion
Übertragen wird das Virus durch Tröpfcheninfektion, vor allem von Mund zu Mund.
Weitere Informationen zu meldepflichtigen Krankheiten:
Internetlinks:
www.kinderaerzteimnetz.de – Kinder- und Jugendärzte im Netz
www.rki.de – Robert Koch-Institut
www.bundesrecht.juris.de – Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen
Buchtipp:
Gisela Brehmer
Aus der Praxis einer Kinderärztin – Die richtige Behandlung,
sanfte Heilmethoden, Ernährung und Pflege, Entwicklung und Verhalten.
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 9/2002, ISBN: 3-499-60985-1,
Überarb. Neuausg. 2002. 279 Seiten, mit Farbfotos.
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