In diesem Kapitel finden Sie Informationen
zu folgenden Fragen:
Was sind eigentlich Schmerzen?
Wie entsteht eine Schmerzempfindung?
Was ist der Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen?
Wie lassen sich Schmerzen behandeln?
Wie kann man Schmerzen vorbeugen?
Wie unterscheidet sich das Schmerzempfinden von Mann und Frau?
Wie viel Schmerzen haben die Deutschen?
Wo finden Sie Hilfe und Rat bei Schmerzen?
Was sind eigentlich Schmerzen?
Auch wenn Schmerzen eher auf der Schattenseite unseres Daseins anzusiedeln sind, erfüllen sie vielfach eine lebenswichtige Warnfunktion. Nicht umsonst nannten die alten Griechen sie die „bellenden Wachhunde des Körpers“. Ihre Aufgabe besteht darin, uns zu signalisieren, dass etwas im System falsch läuft. Leider werden jedoch nicht alle Organschäden mit Schmerzen vermeldet, so dass z. B. Tumore häufig erst sehr spät entdeckt werden.
Fest steht jedoch, dass Schmerzen eine sehr persönliche Wahrnehmung darstellen, die schwer zu beschreiben ist. Grob unterscheiden lassen sich drei Formen:
- Der Eingeweideschmerz (Gallengänge oder Nieren), welcher durch starke Dehnung oder Krämpfe entsteht.
- Der eher bohrende oder stechende Oberflächenschmerz, der am Ort der Schädigung z. B. durch ein aufgeschürftes Knie empfunden wird.
- Als Tiefenschmerzen werden schlecht lokalisierbare Beschwerden bezeichnet, die im Muskelbereich, an Knochen, Gelenken oder Bindegewebe auftreten und nach außen ausstrahlen.
Sehr unangenehm äußern sich bei vielen Jugendlichen sogenannte Wachstumsschmerzen. Sie sind aber nicht weiter besorgniserregend, da vorübergehend. Diese lassen sich mit einem leichten Schmerzmittel lindern.
Junge Mädchen und Frauen leiden häufig unter Regelschmerzen, die sich durch starkes Ziehen im unteren Rücken, Bauchweh oder Unterleibskrämpfe bemerkbar machen. Hier helfen neben bewährten Hausmitteln wie Wärmflasche und Frauenmanteltee ebenfalls Paracetamol-Präparate, wie zum Beispiel ben-u-ron
, und krampflösende Mittel.
Über Kopfschmerzen klagen auch jüngere Erwachsene vermehrt. Als Ursachen gelten neben erhöhten Belastungen in Schule und Beruf häufig Bewegungs- und Schlafmangel, Fehlhaltungen und erhöhter Medienkonsum. Bei Mädchen und Frauen kommt eine Neigung zu zyklusabhängigen Kopfschmerzen hinzu, die sich in manchen Fällen zu Migräne steigern.
Eine Studie des Betriebskrankenkassen (BKK) Bundesverbands hat eine deutliche Zunahme von dauerhaften Rückenbeschwerden in Deutschland festgestellt. Besonders alarmierend ist, dass die Volkskrankheit sich schon in jungen Jahren bemerkbar macht: Rund die Hälfte aller Schüler klagen über Rückenbeschwerden. Neben Bewegungsmangel werden u. a. auch hier Stress, Probleme und Unzufriedenheit mit der Lebenssituation für die Zunahme verantwortlich gemacht.
Wie entsteht eine Schmerzempfindung?
Schmerzen sind eine natürliche Reaktion des Körpers. Sie haben eine Warn- und Schutzfunktion. Durch sie wird dem Menschen signalisiert: Da ist etwas mit deinem Körper nicht in Ordnung. Fast über den gesamten Körper verteilt, befinden sich Schmerzfühler, so genannte Nozizeptoren an den Enden von Nervenfasern. Diese reagieren auf äußere Reize wie Temperatur, Dehnung, Druck, Verletzungen chemische Substanzen (z. B. Insektengifte), oder auf innere krankhafte Veränderungen wie etwa Entzündungen. Legen wir die Hand auf die heiße Herdplatte, werden von den geschädigten Zellen Botenstoffe freigesetzt, diese reizen die Nozizeptoren. Der Schmerzreiz wird weitergeleitet zur ersten Station, dem Rückenmark, hier wird in kürzester Zeit, ohne das es uns bewusst wird, ein Abwehrreflex ausgelöst – die Hand wird blitzschnell von der heißen Herdplatte weggezogen.
Nach der Reizweiterleitung ins Gehirn können wir den Schmerz bewusst wahrnehmen und weiterverarbeiten.
Unser Gehirn antwortet auf den Reiz in umgekehrter Richtung über die Nervenfasern zum Rückenmark. Durch die Signale vom Gehirn werden im Rückenmark schmerzhemmende Substanzen freigesetzt, um die Schmerzweiterleitung zu unterbinden. Und unser Körper kann noch mehr. Er stellt selbst Stoffe her, durch die Schmerzen gelindert oder komplett ausgeschaltet werden können. Diese so genannten Endorphine wirken aber nur kurzfristig und treten vermehrt in Notsituationen auf, wie bei einem Unfall, oder sehr starken körperlichen Anstrengungen. Nach der Extremsituation, wenn der Körper zur Ruhe gekommen ist, reduziert der Körper die Endorphinausschüttung und der Schmerz kommt.
Sobald die Ursache für den Schmerz geklärt ist, hat das Symptom Schmerz seinen Zweck erfüllt. Der Schmerz sollte entsprechend behandelt werden. Denn niemand, der Schmerzen aushält, wird schneller wieder gesund. Im Gegenteil, Schmerzen zehren an der Energie, die der Körper zur Genesung braucht. Deshalb sollten sie behandelt werden.
Was ist der Unterschied zwischen akuten
und chronischen Schmerzen?
Der akute Schmerz zeigt zumeist eine Verletzung oder Erkrankung mit kurzem Verlauf an. Wird die Schmerzquelle ausgeschaltet bzw. die ursächliche Erkrankung behoben, so klingt der Schmerz ab. Bis zur Gesundung lassen sich diese Schmerzen gut mit schmerzstillenden Präparaten (Analgetika) lindern.
Als chronischen Schmerz bezeichnet man Beschwerden, die länger als ein halbes Jahr bestehen. Er ist eigentlich kein Symptom für ein Problem, er ist das Problem selbst. Daher übt er auch keine Warnfunktion aus. Vielmehr hat er den Status einer eigenständigen Krankheit, die auf einer Veränderung bzw. Störung der Schmerzverarbeitung beruht. Vergleichsweise geringe Reize lösen stärkste Empfindungen aus. Das Gehirn lernt, Schmerzen schneller zu empfinden, und passt sich den Erfordernissen an. Selbst wenn der eigentliche Auslöser beseitigt ist, bleiben die Schmerzen mitunter bestehen. Das Paradebeispiel ist der berühmte Phantomschmerz bei amputierten Gliedmaßen, an dem die Betroffenen oft noch jahrelang nach der Operation leiden.
Häufig sind die Ursachen für Schmerzen unklar. Dazu zählen Neuralgien, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Phantomschmerzen, seelisch bedingte Schmerzen. Die Behandlung dieser Krankheitsbilder ist schwierig und langwierig. Am meisten Erfolg versprechen ganzheitliche Herangehensweisen, welche die körperliche und seelische Seite gleichermaßen berücksichtigen und medikamentöse mit physiotherapeutischen Maßnahmen und psychologischer Betreuung sinnvoll kombinieren.
Dass chronische Schmerzpatienten keine Randgruppe sind, beweist die bisher größte europäische Schmerzstudie, European Pain Survey, 2004. Sie belegt, dass jeder fünfte Europäer an chronischen Schmerzen leidet. Mit 17% chronisch Schmerzkranken steht Deutschland an neunter Stelle, wobei der Rücken mit 34% als der neuralgischste Punkt ausgemacht wurde.
Wie lassen sich Schmerzen behandeln?
Moderner Schmerztherapie steht heutzutage ein großes Repertoire an nicht-medikamentösen und medikamentösen Mitteln und Verfahren zur Schmerzbekämpfung zur Verfügung. Gerade bei chronischen Schmerzen empfiehlt es sich, den Problemen mehrgleisig zu begegnen.
Leichte und für gewöhnlich kürzer anhaltende Schmerzen
sind oft schon mit altbewährten Hausmitteln in den Griff zu bekommen.
Die medikamentöse Behandlung richtet sich meist nach der Stärke der Schmerzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dazu ein sogenanntes „Stufenschema“ entwickelt, welches vier Schweregrade unterscheidet:
| 1. Stufe: Bei leichten bis mäßig starken Schmerzen | |||
| werden sogenannte „Nicht-Opioid-Analgetika“ (u. a. auch NSAR – Nichtsteroidale Antirheumatika) eingesetzt. Zu diesen gehört auch Paracetamol. Paracetamol zeichnet sich durch die gute Verträglichkeit und die selten vorkommenden Nebenwirkungen aus. Daher wird auch Paracetamol als alleinige Wirksubstanz bei ben-u-ron verwendet. |
| 2. Stufe: Bei mittelstarken bis stärkeren Schmerzen | |||
| werden sogenannte „schwache Opioid-Analgetika“ mit „Nicht-Opioid-Analgetika“ kombiniert. Auch die bene-Arzneimittel GmbH hat hier sinnvolle Substanz-Kombinationen. Da es sich um rezeptpflichtige Arzneimittel handelt, fragen Sie bitte Ihren Arzt danach. |
| 3. Stufe: Bei starken Schmerzen | |||
| werden sogenannte „starke Opioid-Analgetika“ eingesetzt. Diese werden in der Regel oral verabreicht. |
| 4. Stufe: Ebenfalls bei starken Schmerzen | |||
| werden als weiterführende Behandlung sogenannte „starke Opioid-Analgetika“ invasiv oder nicht-invasiv eingesetzt. Wobei invasiv z. B. subkutan oder intravenös und nicht-invasiv z. B. mittels eines Pflasters bedeutet. |
Neben dem Einsatz von Medikamenten zur Schmerzlinderung macht es Sinn, insbesondere hartnäckigen sowie chronischen Schmerzen mit begleitenden Maßnahmen oder auch einer Ernährungsumstellung zu begegnen.
Wer den seelischen Ursachen von Schmerzen auf die Spur kommen möchte, findet Unterstützung in der Psychotherapie, in Schmerzzentren und Selbsthilfegruppen. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie bietet beispielsweise Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Spezialisten unter www.dgschmerztherapie.de
Wie kann man Schmerzen vorbeugen?
Schmerzbekämpfung heißt nicht nur Schmerzlinderung im akuten Moment, sondern auch Schmerzvorbeugung. Voraussetzung dafür ist, genau zu beobachten, welche Situationen im Alltag Schmerzen auslösen, und diese Belastungen gezielt abzubauen. Ein erster Schritt zur aktiven Bekämpfung von Schmerzen kann das Ausfüllen des Pain-Check-
Fragebogens der Deutschen Schmerzhilfe e.V. sein. Eine gute Grundlage für ein Gespräch mit dem Arzt.
Bei stressbedingten Schmerzen helfen beispielsweise Entspannungstechniken wie Yoga, Tai Chi oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Mit solchen Methoden lassen sich insbesondere Beschwerden, die durch Muskelverspannung entstehen, in den Griff bekommen. Gleichzeitig wird die Sensibilität gegenüber dem eigenen Körper und seinen Signalen geschult und ein besseres Stressmanagement erlernt.
Entspannungskurse oder Rückenschulen werden u. a. von Volkshochschulen und Krankenkassen angeboten. Es lohnt sich, bei seiner Krankenkasse nach Kostenübernahme bzw. Zuschüssen zu fragen. Interessant ist, dass unlängst ein Zusammenhang zwischen der Intensität des empfundenen Schmerzes und der Erwartungshaltung festgestellt wurde. So kommt eine Forschergruppe an der Wake Forest University in North Carolina, USA, aufgrund von Experimenten zu dem Schluss, dass eine positive Erwartung eine vergleichbare Wirkung wie eine Injektion mit Schmerzmitteln hat. Fazit: Eine positive Denkweise kann Patienten helfen, durch eigene Kraft den Schmerz besser zu bewältigen.
Ein extremes Vorbild für eine derartige Schmerzkontrolle geben Fakire. Sie haben ihre Schmerzresistenz trainiert. Mit täglichem Training erweitern sie Stück für Stück ihre Schmerztoleranz und lernen, ihren Schmerz auszublenden und ihre Körperfunktionen zu kontrollieren. Parallel dazu haben Fakire geübt, sich in einer solch kritischen Situation tief zu entspannen. Dadurch erreicht der Fakir, dass seine Schmerzwahrnehmung in den Hintergrund tritt.
Wie viel Schmerzen haben die Deutschen?
Knapp 56% der Deutschen ab 18 Jahren geben an, im vergangenen Jahr Schmerzen gehabt zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) HealthCare durchgeführte Studie „Schmerzatlas Deutschland“, welche im November 2005 über 20.500 Deutsche befragte. Während jüngere Menschen vornehmlich von Kopfschmerzen geplagt werden, schmerzen indes bei der Altersgruppe ab 50 Rücken und Gelenke.
Schmerzen sind offensichtlich ein vorwiegend weibliches Thema:
Zwei Drittel der Betroffenen waren Frauen. Besonders eklatant zeigte sich der geschlechtsspezifische Unterschied bei den Männern und Frauen zwischen 18 und 50. Hier spielen zweifellos zyklusbedingte Beschwerden sowie Geburtsschmerzen eine entscheidende Rolle.
Seitens der Psychologie wird davon ausgegangen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Bewältigungsstrategien anwenden, die durch die jeweilige Umwelt aufgebaut werden. So zeigen sich auch im Umgang mit Schmerzen typische gesellschaftlich geprägte Rollenmuster. Frauen verhalten sich im Schnitt eher emotional und äußern ihre gestörte Befindlichkeit, während Männer eher den „Helden“ spielen und zur Schmerzbeseitigung instrumentelle und problemlösende Strategien anwenden.
Am häufigsten unter Schmerzen leidet mit 61% die familiär und beruflich besonders geforderte Gruppe der 31- bis 40-Jährigen. Die Gruppe der 18- bis 30-Jährigen leidet im Vergleich zu allen untersuchten Altersgruppen mit 46,6% am wenigsten.
Anzahl derjenigen, die angaben, in den letzten 12 Monaten
Schmerzen gehabt zu haben (in Prozent)
| Altersklasse | Gesamt |
Männer | Frauen |
| 18-30 Jahre | 46,6 | 35,7 | 59,7 |
| 31-40 Jahre | 61,0 | 55,2 | 75,5 |
| 41-50 Jahre | 56,8 | 47,6 | 66,7 |
| 51-60 Jahre | 54,9 | 47,7 | 56,1 |
| 61-70 Jahre | 57,5 | 55,5 | 63,8 |
| 71 Jahre und älter | 58,0 | 48,3 | 51,7 |
Wie unterscheidet sich das Schmerzempfinden
von Mann und Frau?
Frauen sind schmerzempfindlicher als Männer. Grund ist ihre niedrigere Schmerzschwelle. Niedriger als bei Männern ist auch die weibliche Toleranz gegenüber Schmerzen. Frauen empfinden früher als Männer einen Schmerzreiz als nicht mehr erträglich. Und sie können Schmerzarten besser unterscheiden. Die jeweiligen Sexualhormone sind wesentlich an der unterschiedlichen Reaktion auf Schmerzen und der Schmerzverarbeitung beteiligt. Östrogen steigert bei der Frau die Aufmerksamkeit und die Aktivität des Nervensystems und verstärkt die Weiterleitung schmerzhafter Impulse ins Zentralnervensystem. Testosteron wirkt beim Mann in dieser Hinsicht dämpfend. Eine Eigenschaft, die bei der Frau das Hormon Progesteron hat. Besonders deutlich wird dies wenn der Progesteronspiegel im letzten Schwangerschaftsdrittel steigt. Damit steigt nämlich auch die Schmerzschwelle. Die körpereigene Schmerzhemmung durch Endorphine wird aktiviert. So bereitet sich der Körper auf die Geburt vor.Trotz oder wegen ihrer stärkeren Belastung kommen Frauen vielfach jedoch besser mit Schmerz zurecht als Männer. Sie haben oft bessere Bewältigungsstrategien, lenken sich ab und suchen Hilfe. Demgegenüber versuchen Männer, Schmerzen so lange wie möglich zu ignorieren. Dies hat natürlich nicht nur biologische Gründe: In den meisten Kulturen dürfen Mädchen und Frauen Schmerz zeigen, nicht aber Jungen und Männer. Angesichts des weit verbreiteten Vorurteils, dass Frauen Schmerz besser ertragen können, kann dies fatale Folgen haben: Frauen sind schmerztherapeutisch oft schlechter versorgt als Männer. (Quelle: Deutsche Schmerzliga)
Einige Allgemein- und Fachärzte haben sich auf die Behandlung von Schmerzen spezialisiert, erkennbar an der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ oder „Algesiologiezertifikat“. Qualifizierte Hilfe erwartet Schmerzgeplagte auch in einem Schmerzzentrum oder einer Schmerzambulanz. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung kann man eine Liste der zu der Schmerztherapie der Kassenärztlichen Vereinigung und Krankenkassen zugelassenen Ärzte anfordern. Diese Ärzte haben nicht nur eine Fortbildungsqualifikation, sondern auch viel Erfahrung und schmerztherapeutische Kompetenz. Auch die regionalen Schmerzzentren helfen mit Adressen gerne weiter.
Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:
Deutsche Schmerzliga e.V.
Tel.: (0700) 375375-375
http://www.schmerzliga.de/
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